ORF Sommergespräch III: Strache vs. Ausländer (?)

In der drit­ten Folge des ORF Som­mer­ge­sprächs 2010 waren FPÖ-Chef Heinz-Christian Stra­che und Unter­neh­me­rin von DiTech und gebür­tige sowie staats­bür­ger­li­che Polin Aleksan­dra Izdebska gela­den. Schon von Anfang an war klar, dass sich diese Sen­dung um den Wie­ner Wahl­kampf sowie dem Kern­thema der frei­heit­li­chen Par­tei “Zuwan­de­rungs­po­li­tik” dre­hen wird. Klar ist mir nach die­ser Stunde Sen­dung immer noch nicht ganz, worum es beim Wahl­kampf kon­kret geht bzw. was das Par­tei­pro­gramm beinhal­tet. Alles was da an Out­put pro­du­ziert wurde ist die Ver­nei­nung der aktu­el­len Regie­rung und eine mas­sive Sen­kung der Steu­er­sätze sowie Maxi­mie­rung der Net­to­leis­tung. Nein zu neuen Steu­ern. Das ist mir nun klar. Okay, gut.

Er mag unter ande­rem auch keine Mos­lems, die er übri­gens mit Tür­ken gleich­setzt. Das ist seine per­sön­li­che Mei­nung, das kann ich ihm nicht ver­bie­ten, aber dass er nun sämt­li­che Mos­lems in einen Topf wirft indem er sie als inte­gra­ti­ons­un­fä­hig bzw. asso­zial dahin­stellt, kann ich nicht dul­den. Mög­li­cher­weise würde er, wenn er das liest, ein­len­ken und sagen, “Nein, so hab ich das nicht gemeint/gesagt”. Das ist nähm­lich nur der Kern­punkt sei­ner geschla­ge­nen 5-Minuten-Rede, bei der Mode­ra­to­rin Ingrid Thrun­her förm­lich ein­schläft und sich ange­fühlt haben wie etwa 2 Stun­den. Der liebe Herr Stra­che hat die inter­es­sante Gabe, Men­schen um den Fin­ger wickeln zu kön­nen. Kri­ti­schen Fra­gen weicht er gekonnt aus und kommt immer wie­der auf das alte Thema zurck. Er möchte flei­ßige und arbeits­wil­lige Men­schen, die Deutsch spre­chen und um Got­tes Wil­len keine Mos­lems sind.

Dazu hat er auch ein noch nicht ganz funk­tio­ni­ren­des Zuwan­de­rungs­mo­dell vor­ge­schla­gen, nach jenem alle Zuwan­de­rer die ent­we­der nicht geeig­net, also keine Qua­li­fi­ka­tio­nen haben, oder die Deut­sche Spra­che nicht beherr­schen oder die öster­rei­chi­sche Staats­bür­ger­schaft nicht wol­len, sofort aus­ge­wie­sen wer­den. Auch sämt­li­che soziale Grund­leis­tun­gen sol­len nur für staats­bür­ger­li­che Öster­rei­cher gel­ten, obgleich sie ins Sys­tem ein­zah­len oder nicht. Dem­nach müsse Frau Izdebska das Land unver­züg­lich ver­las­sen und Öster­reichs “bes­tes IT-Unternehmen” würde nicht exis­tie­ren. Kon­krete For­de­run­gen in die­sem Bereich sehen wir also sei­tens der FPÖ. Das ist ihr Pro­gramm, sie wol­len die Zuwan­de­rung dros­seln. Ver­ständ­lich, aber unter unmög­li­chen Umstän­den. Wie zum Bei­spiel soll ein Kind, das als Ange­hö­ri­ger nach Öster­reich zuwan­dert bewei­sen, dass er “flei­ßig” ist und somit im Land blei­ben darf? Was ist, wenn eine ganze Fami­lie ein­wan­dert und nur ein Teil die­ser qua­li­fi­ziert ist? Die FPÖ, die sich selbst als “ein­zige Fami­li­en­par­tei öster­reichs” sieht, zer­reisst somit Zuwandererfamilien.

Um zum Thema Mos­lems zurück­zu­kom­men: Aus einem Inter­view mit Anas Shak­feh (Prä­dident der islam. Glau­ben­ge­mein­schaft in Österr.) geht her­vor, dass es wün­schens­wert wäre, wenn min­des­tens in jeder Lan­des­haupt­stadt eine Moschee mit einem Mina­rett gäbe, aber nicht, dass er die­ses for­dert. Stra­che dreht dies so, dass die Mos­lems (oder wie er sie bezeich­net: “Isla­mis­ten”) eine Bedro­hung “ein christlich-westliches Öster­reich” sind. Kurz gesagt also, Mos­lems drü­fen beten, aber man soll es nicht sehen oder gar hören.

Zu Fra­gen in ande­ren The­men­be­rei­chen oder warum sich die FPÖ als “ein­zige Fami­li­en­par­tei öster­reichs” sieht, gibt es keine Ant­wort. Nur den Ver­merk, dass er sich nie aus­spre­chen dürfe. Aber so läuft es nun­mal beim Som­mer­ge­spräch und das ist die Auf­gabe einer Mode­ra­to­rin. Gespräch­s­ent­glei­sun­gen ein­zu­däm­men, wenn sie maß­geb­lich das Sen­dungs­ge­sche­hen ver­zö­gern oder beein­flus­sen. Aber der kleine Heinz rennt lie­ber zu Mama: “Ich darf hier nie aus­re­den!” Übri­gens will er bis zum Wahl­tag 5000 Wie­ner Wirts­häu­ser besu­chen, das wären etwa 111 pro Tag. Dazu sage ich Pop­po­li­tik, haupt­sa­che das Volk ist unter­hal­ten, die Inhalte sind voll­kom­men egal, nur die Head­lines sol­len Anklang bekommen.

Wir haben also mit die­sem Gespräch gelernt:
Andere Par­teien: BÖSE
Ideen und Vor­schläge ande­rer Par­teien: BÖSE
Kri­tik: BÖSE und UNBEGRÜNDET
Mos­lems: BÖSE
Moscheen mit Mina­rett: BÖSE
Zuwan­de­rung: GEHÖRT GEKILLT oder REIN THEORETISCH DURCHFÜHRBAR, PRAKTISCH ABER UNTRAGBAR
Steu­ern: ABSOLUT BÖSE!
FPÖ: GUT.
Inlän­der, die Chris­ten sind: GUT.
Mutti: GUT.

Übri­gens beschul­digt Stra­che den ORF als mani­pu­liert und bezeich­net es als “nicht ernst zu neh­men”. Nice.

Links:
DiTech
ORF TVTHEK: Das Som­mer­ge­spräch on Demand
Kom­men­tar von Frau Izdebska zum Gespräch, danke an Gre­gor für den Link.

3 Kommentare

  • Manuel schrieb:

    Hab das mit der DItech-Gründerin auch gese­hen und fühlte mich bestätigt…mich hat beson­ders auf­ge­regt, dass er nicht ein­mal vor einer Unter­neh­me­rin, die mit wenig viel auf­ge­baut hat. kei­nen Respekt hat…aber den hat er ja vor nie­man­dem, der ihm nicht nützt…Ich ver­stehe nicht wie man die F-Politik ernst neh­men kann, ver­ste­hen tue ich, dass man sich über die ande­ren Par­teien auf­regt, da läuft viel schief, aber die FPÖ zeigt mei­net­we­gen manch­mal etwas auf (in der Ver­gan­gen­heit eher) aber bie­tet (auch heute nicht) keine pro­duk­ti­ven Lösungen…mir fällt da die Laffa Kurve und VDB Spott­rede gegen ihn ein (auf Youtube)…es geht um Zwist bei die­ser Par­tei, Zwist, Angst und Hass…da kann man als Unter­neh­me­rIn mit Ditech, Red Bull, Sie­mens, etc…erfolgreich sein, wenn er Angst irgendwo säen kann, tut er es, weil es ihm nutzt…Er bei­tet keine Lösun­gen an, son­dern nur Gefühle…die kurz­zei­tig zufrie­den­stel­len und bevor man drauf kommt, dass es gar keine Lösun­gen sind, erschafft er ein neues Thema, für das er wie­der Gefühle (Angst, Hass, Zwist) bereithält…ein gewief­tes Kon­zept, aber total Poli­tik­un­taug­lich, wenn man Mal in der Regie­rung sitzt!

  • Gregor schrieb:

    Man hat der DiTech-Chefin ab und an ange­se­hen, dass ihre Emo­tio­nen über­ko­chen^^ Abso­lut ver­ständ­lich! Hier fin­dest du übri­gens ein Kom­men­tar von der Izdebska zum Gespräch: http://blog.ditech.at/2010/08/25/sommergespraech-mit-hc-strache-im-orf/

  • Manuel, eben dies ist der Grund, warum FPÖ soviel zulauf erhält. Die FPÖ erschafft Gefühle und keine Lösun­gen, schö­ner hätte ich es nicht aus­drü­cken kön­nen, ich hab beim Schrei­ben des Arti­kels min­des­tens 5 Minu­ten über­legt wie ich das ver­fas­sen sollte ^^

    Gre­gor, danke für den Link, ich denke Frau Izdebska hat durch­aus Recht. Wäh­rend sich der werte Herr Stra­che beschwert hat, nicht aus­spre­chen zu kön­nen, hatte sie nicht ein­mal die Gele­gen­heit zu spre­chen. Ich denke, wenn die Sen­dung län­ger gedau­ert hätte, wäre die­ses Gespräch mög­li­cher­weise viel bes­ser und aus­führ­li­cher Ver­lau­fen. Die ell­len­lan­gen Vor­träge vom Pop­po­lit­ker sind aller­dings lang genug gewe­sen. Aber Frau Izdebska hatte noch eini­ges ein­zu­wer­fen gehabt. So ist es ein Polit­talk über die FPÖ und den Wahl­kampf gewor­den. Schade eigent­lich, denn ich hatte mich gerade auf die­ses Gespräch gefreut, da zwei extreme Fron­ten auf­ein­an­der prallen…

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