Wahrlich, der Weg ist steinig. Doch das haben Berge so an sich.
Dienstagmorgen 9:00 Uhr am Westbahnhof Wien – Die Schüler und Lehrer treffen ein. Einige sind schon länger hier. Da es sich um unseren ersten Reisezug um einen internationalen RailJet handelt konnte der leitende Professor (Prof. Gätz) leider nicht vorreservieren. Also machten wir das auf die altbekannte Rucksack-Art. Man stelle einfach seinen Rucksack auf den Sitzen ab, damit sich niemand hinsetzt.
9:15 – Die letzten Schüler treffen ein, einige machten es richtig spannend, weil sie die Halle des Westbahnhofs nicht gefunden hatten und es dauerte auch nicht lange bis der Zug sich in Bewegung versetzte und somit Richtung St. Pölten rollte. Angekommen wurden wir gleich zum Ötscherwiesel weitergejagt, indem allerdings reserviert wurde. Eine Doppeldiesellok führte uns dann quer durch Niederösterreich direkt zum Ötscher. Innen gab es einige Überraschungen wie belegte Plätze durch andere Fahrgäste die dann erst „verscheucht“ werden mussten bzw. freundlich zum Aufstehen aufgefordert wurden.
Eine Keksschlacht und wenige Schlafminuten später stiegen wir auch schon beim Ötscher aus. Nur wo fängt die Wanderung an? Teils müde, teils aufgeregte Gesichter schlenderten zur Toilette und in die Station um später in den Bus zu steigen. Vorher wurde ausgemacht, dass die Gruppe, bestehend aus 35 Schülern und 4 Lehrern (Gätz, Lausegger, Liebreich, Schmid-Ortner), in zwei Schwierigkeitsgruppen aufgeteilt werden. Die Profis wurden nach etwa 45 Minuten Busfahrt ausgesetzt und die gemütlicheren Wanderer 15 Minuten später am Lackenhof.
Aller Anfang ist schwer, so auch der Aufstieg am Fuße des Berges, wo die Sonne auf die Wanderer knallte und sie zum Schwitzen brachte. Allerdings kam die Gruppe schon bald in den schattigen Wald, wo es neben nasser Erde, umgeknickter Baumstämme und teils steiler Wege auch Frösche gab. Nach etwa einer Stunde Wanderung gab es auch schon die ersten Verletzten zu beklagen. Einige habe Schürfwunden, andere Kratzer oder blaue Flecken. Nach einem ewigen hin und her im Wald verlief sich die Gruppe dann auch kurz. Allerdings wurde der richtige Weg schnell gefunden und das Rätsel um die rot-weiß-roten und weit-rot-weißen Markierungen gelöst. Die Farbkombination ist entscheidend, nicht die Reihenfolge. Gefühlte 3 Stunden, reelle 1 Stunde später wurde eine Schipiste gekreuzt. Im Sommer allerdings vorwiegend Schotterpiste. Diese galt es noch zu bezwingen und das Ötscherhaus wartete. Mit Polkamusik wurde die erste Gruppe begrüßt und die ersten Verletzungen versorgt sowie der Hunger.
30 Minuten und 10 nachgefüllte Wasserflaschen später brach ein Teil der gemütlichen Gruppe auf zum Gipfelkreuz und durchquerte dabei die Baumgrenze. Also kein Schatten mehr und pure Anstrengung, da das Areal hier etwas steiler und unregelmäßiger wird. Allerdings ist die Landschaft wunderschön mit bunter Blumenwiese, wie aus dem Bilderbuch. Am Rande der Kräfte erreichten auch die letzten den Gipfel und es brach Erleichterung aus. Auch zwei der Profigruppe, die sich an der anderen Seite des Ötschers versuchten waren bereits angekommen. Hier auf knapp 2000 Metern Höhe wurden noch etwa zwei duzend Fotos gemacht und der Abstieg konnte beginnen. Wieder unten im Ötscherhaus wurden erst einmal die Füße gelüftet und die Zimmer eingeteilt. Später am Abend dann das Abendessen und zuletzt Bettruhe um 11:00 Uhr. Zwischen Abendessen und vermeintlicher Bettruhe lagen Stunden des Kennenlernens sowie des Fußballs. Es waren unter anderem die Klassen 5A, 6A, 6C, 7A und 7B vertreten.
8:10 – Der frühe Vogel fängt den Wurm! Weckruf der Professoren, die selbst sicher auch noch schlaftrunken waren. Das Tagesprogramm würde fordernd werden also musste ein ordentliches Frühstück und große Wasservorräte her. Zumindest ersteres kam auch, denn die Flaschen neigten sich dem Ende zu, allerdings konnte immer wieder nachgefüllt werden. In den Ötscherbächen, wo kristallklares Wasser fließt. Schon nach der ersten Wanderstunde kam die erste größere Wassergrube mit Quellwasser, welches auch so eiskalt war, wie es aussah. Nasse Minuten später ging es Schritt auf Schritt weiter in den Ötschergräben. Neben einer wundervollen Landschaft, Steingeröll und dem ständigem Geplätscher des Flusses als Begleitung kam auch die starke Sonneneinstrahlung dazu. 6 Stunden Wandern in den Ötschergräben sowie ein Aufenthalt in einer Raststätte mitten in den Gräben später wurde dann das letzte Teil begangen. Die letzten 55 Wegmarkierungen wurden nummeriert. Ob zur Motivation oder bloß Betriebsmarkierungen, ist unbekannt, allerdings begannen die fallenden Zahlen etwa ab Nummer 20 zu wirken und die Wanderer mobilisierten die letzten Energiereserven. Nur noch 5 Minuten bis Wienerbruck, wo pausiert wurde um danach zum Bahnhof zu hinüber zu gehen. Hier sollte die Mariazellerbahn auf uns warten, doch der Bahnhof blieb 45 Minuten lang leer.
17:17 – Eine der bekanntesten Schmalspurbahnen Österreichs rollte in den Bahnhof Wienerbruck um uns abzuholen. Es wurde ein ganzer Waggon nur für uns reserviert, doch wie immer befanden sich auch hier bereits Fahrgäste im Inneren, so herrschte akute Platznot, welche sich während der Fahrt doch gelegt hat. Ein kurzer Aufenthalt in Laubenbachmühle ließ uns den Anschlusszug in St. Pölten verpassen, doch wir erwischten noch einen Reisezug aus Bregenz nach Wien. Letzten Endes kamen alle heil mit leichten Blessuren in Wien an.
Zwei Wandertage, wie sie sein sollten.
In diesem Sinne, schöne Sommerferien! :-]
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